Berlinale-Marathon für einen Tag

Posted by - February 28, 2012 - in Media

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Gehört man nicht gerade zum Fachpublikum, das sich ohnehin die volle Dröhnung gibt, verhält es sich mit Festivals im Grunde genommen immer so: Ist man erstmal so richtig auf den Geschmack gekommen, da ist das ganze Bohei auch schon wieder vorbei. Bei der Berlinale ist es mir ähnlich ergangen. Am letzten Tag habe ich mir nochmal fünf Filme angesehen und bin somit rund zwölf Stunden lang von Kino zu Kino gepilgert. Dabei hatte ich das große Glück ein paar schöne und ein paar sehr schöne Filme sehen zu können. All die weiten Wege durch die Stadt und die oft nur dürftigen Pausen zur Nahrungsaufnahme waren es somit wert!

Der Tag begann mit einer Mittagsvorstellung von Extrem laut und unglaublich nah. Eric Roths Drehbuch entstand nach der Romanvorlage von Erfolgsautor Jonathan Safran Foer (Tiere essen, Alles ist erleuchtet). Die in New York lebende Familie Schell wird hier von Tom Hanks als Vater, Sandra Bullock als Mutter und Thomas Horn in der Rolle des hochintelligenten, traumatisierten Sohnes Oskar.

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Extrem laut… springt durchweg zwischen der Zeit vor und nach Vater Thomas Schells Tod in den 9/11-Attentaten hin und her. Ein bildstarker Film, der unsere Gefühle getreu seinem Titel und mittels perfekionierter Hollywood-Erzählstruktur von einem Extrem ins andere wirft. Das ist sehr unterhaltsam wirkt nur rückblickend irgendwie vorhersehbar.

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Eher dem Motto “weniger ist mehr” treu geblieben ist hingegen Calle Overwegs neuer Film Beziehungsweisen, den ich mir an diesem Nachmittag gleich im Anschluss an eine Reihe abwechslungsreicher Kurzfilme aus aller Welt im Delphi angesehen habe. Im nachfolgenden Interview erklärt der Regisseur und Produzent, was es mit der Filmbeschreibung gespielte Dokumentation (über drei Paare beim Beziehungstherapeuten) wirklich auf sich hat.

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Besiegelt wurde mein Filmmarathon mit James Marshs neuem Film Shadow Dancer. Hierbei handelt es sich um eine gnadenlos realistische Abbildung eines fiktiven Attentat-und-Spionage-Szenarios, wie es sich in den frühen 90er Jahren zwischen IRA und MI5 hätte abspielen können.

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In den Hauptrollen sehen wir eine überragende Gillian Anderson (Akte X, Johnny English) als Terroristin Kate Fletcher sowie Clive Owen (Sin City, The International) als jener britischer Agent, der sie durch Erpressung zum Maulwurf in den eigenen Reihen macht, dabei jedoch gleichzeitig immer wieder versucht, seine schützende Hand über sie zu legen, wann immer er kann. Ein bedrückender Film der einem die folgenschwere Unbarmherzigkeit dieses politischen Konflikts glasklar vor Augen führt.

Bilder | Eugen Braeunig

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