Der große Elektro-Bike Test – Welches E-Bike passt zu mir?

Posted by - March 15, 2010 - in Wheels

Gocycle auf der Berliner Fahrradschau, Photo: Kolja Langnese

Kleines Geständnis am Anfang: Wir mögen Elektro-Bikes. Klar, das Image ist ein bißchen angestaubt – E-Bike, ist das nicht die batteriebetriebene Version eines Liegefahrrads, könnte man höhnisch fragen. In eine Ecke mit dem Lieblingsfahrzeugs des Deutschlehrers aus dem Gymnasium möchten wir die Elektro-Räder dann aber doch nicht stellen.

Die neuesten Exemplare sind zwar immer noch eher etwas für Fans mit großem Geldbeutel, dafür kann man sich auch abseits des Lehrerzimmers damit brüsten. E-Bikes sind leise, energiesparend und üben eine große Faszinationskraft selbst auf die fanatischsten Pedalfreunde aus. Am vergangenen Wochenende bei der ersten Berliner Fahrrad Schau (bei der wir übrigens auch Bikepolo entdeckt haben) bildeten sich Menschentrauben vor den Ständen der E-Bike-Verkäufer, sogar ein oder zwei hartgesottene Fahrradkuriere waren unter den Schaulustigen.

Wir haben uns durch die Palette an Elektro-Rädern getestet – immer mit einem Auge auf Praxistauglichkeit der Gerätschaften für gehobene Fortbewegung. Von futuristischem Segway bis zum stinknormalen Trekkingrad war alles dabei,  hier unser  Test-Ergebnis:

Gocycle – Der Stadtflitzer

Gocycle, Photo: Semir Chouaibi

Getarnt als Klapprad kommt das Gocycle daher. Dabei reicht ein Druck auf den roten Knopf, schon summt der Motor und das Senioren-Rad verwandelt sich in einen Flitzer, auf dem man mit 32 km/h ohne das Gesicht zu verziehen an den anderen Verkehrsteilnehmern vorbei zieht. Das mininmalistische Design und die geringe Größe machen das Gocycle zu einem idealen E-Bike für den Weg ins Büro. Und zusammengefaltet verschwindet es im praktischen Rollkoffer. Sehr aufgeräumt!

Motor: 250 Watt
Höchstgeschwindigkeit: 32 km/h
Reichweite: 30-40 km
Kostenpunkt: €1.690

Grace – Statement in Stahl

Photo via www.speed-e.me

Der Name täuscht: Dieses E-Bike ist alles andere als grazil. Mächtig und wuchtig verströmt das High-End E-Bike selbstbewusste Überlegenheit. Diese Arroganz hat etwas von einem Geländewagen, bloß für Fahrradfans. Wegen der Maximalgeschwindigkeit von 65 km/h ist das Grace als Motorbike klassifiziert – und weltweit als erstes E-Bike für die Strasse auch zugelassen. Entworfen wurde der Prototyp in Berlin-Bernau, man kann das Grace sogar schon vorbestellen, falls einem der eigene Hummer-Jeep zu auffällig für die Innenstadt ist.

Motor: 1.300 Watt
Höchstgeschwindigkeit: 45 km/h (gedrosselt für den Strassenverkehr), 65 km/h (auf der Rennstrecke)
Reichweite: 30-50 km
Kostenpunkt: ab €7.000

Raleigh – Understatement für die Upperclass

Photo: Semir Chouaibi

Das sieht doch aus wie ein Trekkingrad? Ist es auch, bloß mit elektrischer Trittunterstützung. Falls man jeden Morgen einen Berg hoch muss, und nicht vollkommen verschwitzt oben ankommen möchte, bietet sich dieses E-Bike mit einem Raleigh-Rahmen an. Das Fahrgefühl ist weniger rasant als bei den Bikes mit Vorder- bzw. Hinterradmotor, sondern müheloser. Man gleitet über die Strasse, und beschleunigt aus dem Stand schneller als jeder Rennradfahrer. Der Motor unterstützt den Radler und bietet dabei bis zu 25 km/h an zusätzlicher Geschwindigkeit. Und die Kollegen werden sich fragen, wie man jeden Morgen so ohne jedliche Anstrengung über diesen Berg radelt.

Motor: 250 Watt
Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
Reichweite: 80-100 km
Kostenpunkt: €2.900

Segway – Auffallen um jeden Preis

Photo: Semir Chouaibi

Das Grace ist nicht extrem genug? Das Gocycle ist nicht ausreichend futuristisch? Dann ist der Segway der fahrbare Untersatz der Wahl. Für den Preis eines Kleinwagens kann man diesen elektrischen Roller sein Eigen nennen. Aber Vorsicht: Der Segway zieht garantiert Blicke auf sich, die muss man schon aushalten können.

Dafür ist die Bedienung intuitiv einfach: Nach vorne lehnen, nach vorne fahren. Gerade stehen, anhalten. Mit dem Lenker lenken. Balancieren macht der Segway von alleine, was einem etwas Vertrauen in die Technik abnötigt. Schlussendlich ist es mit dem Segway wie mit allen anderen E-Bikes: Sieht erstmal blöde aus, probieren will man es trotzdem. Und sitzt oder steht man erstmal drauf, macht es großen Spaß. Unser Tipp: Am besten einfach mal eine Segway-Tour buchen, und das Ding selbst ausprobieren. Soviele Gelegenheiten fallen uns dann nämlich doch nicht ein, wann man einen elektronischen Roller für 8000 Euro braucht.

Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
Reichweite: 38 km
Kostenpunkt: €8.080

Fazit

E-Bikes sind im Moment noch ein Spielzeug für Technik-Fanatiker mit Hang zur Frischluft, die ein zweirädriges Statussymbol suchen. Unser Favorit ist das Gocycle, das an der Preisgrenze für angemessene Fahrradbudgets kratzt, einfach zu bedienen ist, und vor allem sehr viel Spaß macht. Probefahren und einkaufen kann man das gute Stück bei speed-e.me in Berlin.

Und für alle, die vom ganzen E-Bike fahren etwas Speck ansetzen, empfiehlt sich dann noch der Streetstepper. Das ist ein Tretroller, ähnlich eines Steppers aus dem Fitness-Center, mit dem man sich die angesammelten Pfunde wieder von der Hüfte trainieren kann. Um die 2790 Euro dürften dann ja auch noch drin sein, oder?

Photo: Semir Chouaibi

5 Comments

  • Tim March 15, 2010 - 12:09 Reply

    Die meisten Räder sind ja schon noch ziemlich teuer. Ich bin mal gespannt, wann diese ganze Elektrosache wirklich alltagstauglich wird.

  • Sandro April 26, 2010 - 13:33 Reply

    Ich würde das ganze Jahr nur noch Fahrrad fahren und nie wieder Auto, wenn die Dinger erschwinglicher wären!

  • VW packt seinen Kofferraum und nimmt mit: ein klappbares Bik.e | STYLE LEAGUE – BOYS DON’T CRY May 7, 2010 - 10:03 Reply

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  • commonman May 8, 2010 - 19:10 Reply

    the fast and the furios (40 km/h):http://commonman.de/wp/?page_id=1299

  • statement in stahl October 13, 2010 - 01:49 Reply

    stahl, ja?rnwar “aluminium für angeber” zu unfluffig zwecks style?

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